
Straßenlobby macht mächtig Druck - Großprojekt bedroht jetzt ernsthaft das nördliche Siegerland und den Naturpark Rothaargebirge
Über die Notwendigkeit und die ökologischen Folgen des A4-Lückenschlusses zwischen Olpe und Hattenbach wird seit Jahrzehnten heftig gestritten. Eine Unzahl von Studien wurde präsentiert, deren Ergebnisse dann als nicht realistisch wieder eingestampft wurden. Jedem Projekt, das scheiterte, wurde ein neues hinterher geschoben, so dass kaum noch jemand durchblickt, was aktuell geplant wird. Eine schlimme Folge dieser Geisterdiskussionen ist, dass konkrete und finanzierbare Maßnahmen zur besseren verkehrlichen Anbindung Wittgensteins (Ausbau des bestehenden Streckennetzes, Zusatzstreifen, Überholmöglichkeiten, Beseitigung von Bahnübergängen…) immer wieder auf Eis gelegt wurden.
Wir möchten hier zum aktuellen Vorschlag der Lückenschlussbefürworter, "der Machbarkeitsstudie für eine Bundesfernstraße zwischen Krombach (NRW) und dem Hattenbacher Dreieck (Hessen) vom April 2007" informieren, für die sich eine Lobby aus Politik, IHK und Wirtschaft und Straßenbauern im sogenannten Lenkungskreis Entwicklungsachse Kreuztal-Hattenbach zusammengeschlossen hat.
Was ist geplant?
Der von der Machbarkeitsstudie bevorzugte "Kombinationskorridor" verläuft von Kreuztal bis Erndtebrück auf den bislang dort geplanten Ortsumgehungen, also der als FELS (Ferndorf-Eder-Lahn-Straße) bezeichneten Ortsumgehungskette. Ab Erndtebrück schwenkt der bis dahin südliche Planungskorridor auf neuer Trasse quer durch Wittgenstein nach Norden, um im Osten zwischen Schwarzenau und Beddelhausen die Eder zu queren, mit Fortsetzung auf hessischer Seite bis zur A5.
Geplant wird nicht unter dem Titel "Autobahn", sondern als 3-4 spurige Bundesfernstraße mit einem Regelquerschnitt von 15,5m bis 28 m Breite, allerdings ähnlich einer Autobahn mit nur wenigen und dann kreuzungsfreien Anschlussbauwerken, also eine vorrangig dem Fernverkehr dienende Variante.
FELS über die Ortsumgehungen und Bundesfernstraße über FELS
Dabei nutzt sie nicht nur den Verlauf der in Planung befindlichen Ortsumgehungen (Südumgehungen Kreuztal bis Erndtebrück), sondern auch den fortgeschrittenen Planungsstand derselben (die FELS steht im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes und der Landesbetrieb Straße hat hier bereits einen konkreten Planungsauftrag) und auch den finanziellen Vorteil, indem die Kosten für diese Teilstücke aus den Kosten der Bundesfernstraße heraus gerechnet werden. Vermutlich wurde aus diesem Grund auch der Widerstand entlang der Trasse unterschätzt, denn einzelne Ortsumgehungen wurden bislang, zumindest von einem Teil der Bevölkerung und Politik befürwortet.
Mehr Verkehr statt Entlastung!
Unterschätzt wurde und wird aber, dass die Menschen vor Ort keinen zusätzlichen Fernverkehr in ihrer Region haben wollen, sondern nur eine Entlastung ihrer Ortschaften und bessere und schnellere Anbindung an das bestehende überregionale Straßennetz wünschen. Alle Ortschaften entlang der geplanten Trasse hätten, insbesondere in der Nähe der wenigen Anschlussstellen, mit erheblich mehr Verkehr, Lärm und Abgasen zu rechnen.
Aufgeschreckt haben die in der Machbarkeitsstudie (S. 176) zu Grunde gelegten Verkehrszahlen: im Westen 3-spurig bis 38.000 Kfz/Tag, 4spurig bis 55.000Kfz/Tag, im Wittgensteiner Abschnitt 3spurig bis 28.000 Kfz/Tag und 4spurig bis 35.000 Kfz/Tag. Genannt werden in öffentlichen Diskussionen aber immer nur die Zahlen, die den Planungen für die "alte" FELS zu Grunde liegen, also wesentlich niedrigere.
Ökologische Katastrophe
Auch wenn beteuert wird, man plane nur 3-spurig, mit Zusatzspur im Westen und an Steigungs- und Gefällstrecken, ist klar, dass es um enorme Verkehrsmengen geht und dass die Landschaft durch mächtige Erdbewegungen und Brückenbauwerke zerschnitten und zerstört wird. Hinzu kommen Baustraßen, Erd- und Materiallager. Im Nordsiegerländer Bereich werden die Naherholungsgebiete zerstört, in Wittgenstein der Naturpark Rothaargebirge zerschnitten. Auch die von der Straßenlobby in Auftrag gegebene Studie selbst geht von hohen ökologischen Risiken aus.
Kosten und Arbeitsplätze
Während Ausbau und Ertüchtigung des bestehenden Straßennetzes kurzfristig umsetzbar wäre und ca. 50 Millionen € kosten würde, werden die Kosten für die neue Trasse auf mindestens das 30fache, nämlich 1,7 Milliarden geschätzt - Ende offen! Dies, obwohl aus Geldmangel bundesweit bestehende Straßen und Brücken verfallen. Gerade in Wittgenstein ist das Argument Arbeitsplätze zweischneidig, denn bislang (ohne Lückenschluss) finden wir gerade hier eine der landesweit niedrigsten Arbeitslosenquoten, aber viele Arbeitsplätze in Umfeld von Naturtourismus, Gesundheits- und Kurbetrieben - diese würden durch den Straßenbau gefährdet.
Sagen Sie NEIN! zum Lückenschluss und der Entwicklungsachse Kreuztal-Hattenbach! Werden Sie aktiv!
Karte 1
Im Westen von der HTS bei Buschhütten - Richtung Ferndorf, weiter über den Höhenzug südlich der B 508 zwischen Kredenbach und Unglinghausen, zwischen Allenbach und Herzhausen, nördlich an Ruckersfeld und Oechelhausen vorbei, südlich von Lützel, nördlich von Altenteich, südlich von Erndtebrück.

Karte 2
Im Osten: südlich von Erndtebrück, nördlich von Amtshausen Richtung Balde, nördlich vom Stünzel, südlich Sassenhausen, zwischen Schwarzenau und Beddelhausen über die Eder, dann in Hessen weiter bis zur A5
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Karten 1 und 2: BiVS, Achim Walder, auf Grundlage des Planungskorridors aus der Machbarkeitsstudie Drecker 2007 im Auftrag des Kreises Siegen-Wittgenstein des Landes Hessen (der genaue Verlauf kann innerhalb des Planungskorridors von 300 m Breite variieren.
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Ost-West-Achse quer durch Kreuztal
Der Verkehr soll von der A4 über die HTS, quer durch die Stadt Kreuztal geleitet werden, um dann über die Südumgehung im Mattenbachtal auf die Bergrücken südlich des Ferndorftals zu gelangen. Türöffner zum Neubauprojekt Bundesfernstraße soll also die Kreuztaler Südumgehung werden. Diese ist also längst nicht mehr nur als Ortsumfahrung geplant, sondern in Buschhütten als mehrstöckiges Autobahndreieck ausgeführt, überwiegend vierspurig. Zu Gunsten der Weiterführung der Bundesfernstraße nach Osten wurde die ursprüngliche Tunnellösung aufgegeben. Während für die Südumgehung die Linienführung bereits feststeht, gibt es ab Ferndorf noch einige hundert Meter Planungsspielraum. Aber da die Trasse auf dem Berg verlaufen soll, wird sie im gesamten Ferndorftal deutlich hörbar sein.
Und in Wittgenstein?
Zitat S. 162 (Studie) "Zwischen den Ortschaften Schameder und Sassenhausen in NRW wären Konflikte mit Siedlungsbereichen (Schutzgut Mensch) zu lösen. Der Korridor würde hier nördlich um das FFH Gebiet "Buchenwälder und Wiesentäler bei Bad Laasphe" herum geführt. Dies bewirkt ein Heranrücken des Korridors an Siedlungsbereiche, die sich hier bandartig von Westen nach Osten erstrecken."
Lassen Sie nicht zu:
Dass trotz Sanierungsstau an bestehenden Straßen, trotz Wirtschaftskrise, Klimawandel und weltweiter Naturzerstörung weitere Milliarden für diese neue Trasse ausgegeben werden. Fünf FFH-Gebiete wären allein in Siegen-Wittgenstein betroffen. Die zugeteerte Fläche alleine wäre - je nach Planungsvariante - zwischen 3,85 Mio. und 4,97 Mio. qm groß.
Sagen Sie NEIN!
Weitere Informationen:
Grünes Dossier zur Bundesferntrasse und Südumfahrung Kreuztal
Eine umfangreiche Materialsammlung des Stadtverbandes der Kreuztaler Grünen zur Bundesferntrasse zwischen Krombach und dem Hattenbacher Dreieck sowie zur Südumfahrung Kreuztals.
www.a4-nein.de
Es gibt Widerstand!
Weitere Informationen und Argumente finden Sie auf der gemeinsamen Homepage der Bürgerinitiativen, ebenso die Links zu den örtlichen Bürgerinitiativen von Buschhütten bis Hessen.