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Mein Weg zu den GRÜNEN

Im Rahmen meines Zweiten Theologischen Examens habe ich 1985 eine wissenschaftliche Hausarbeit zum Thema „Das Seufzen der Kreatur und die Verantwortung des Christen für die Schöpfung“ gewählt. Das Thema, eines von zweien, die zur Wahl standen,  stieß auf mein Interesse, weil es einen starken Gegenwartsbezug hatte. Es erforderte allerdings, dass ich mich zunächst in Sachen Umwelt und Umweltzerstörung einigermaßen sachkundig machen musste. Ich habe viel über das sensible Zusammenspiel des Ökosystems gelernt, welches die Grundlage für alles Leben auf unserem Planeten Erde ist und nahm erstmals den Bericht des „Club of Rome“ aus dem Jahre 1972 zur Kenntnis: „Die Grenzen des Wachstums“.

Die zentralen Schlussfolgerungen des Berichtes waren:
Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.
Die Folgen würden sein: ein rasches und nicht aufhaltbares Absinken der Bevölkerungszahl und der industriellen Kapazität, wenn dadurch die Umwelt irreparabel zerstört oder die Rohstoffe weitgehend verbraucht würden. Das heute schon spürbare Phänomen des Klimawandels wurde damals so nicht thematisiert! Allerdings von den vom sauren Regen (von Russland kommend) bereits abgestorbenen Seen in Skandinavien. Es galt, sich mit der Wachstumsideologie der Industrienationen kritisch auseinanderzusetzen.
Ein Ändern der Wachstumsvoraussetzungen, um einen ökologischen und wirtschaftlichen Gleichgewichtszustand herbeizuführen, der auch in weiterer Zukunft aufrechtzuerhalten sei, erschien jedoch möglich. Je eher sich die Menschheit entschlösse, diesen Gleichgewichtszustand herzustellen, und je rascher sie damit beginne, desto größer wären die Chancen, ihn auch zu erreichen.

Wenn die Prognosen der Studie des „Club of Rome“ zutreffen sollten, und es gab 12 Jahre nach der Abfassung keine Anhaltspunkte dafür, daran zu zweifeln, auch konnte man nicht feststellen, dass in den Industrienationen seit 1972 ein Umdenken und eine Korrektur des Handelns zu erkennen gewesen wären, dann würden womöglich meine Kinder (damals vier und ein Jahre alt) – bestimmt aber deren Kinder von diesen Entwicklungen eingeholt werden.

Dieser Gedanke hat mich damals zunächst tief erschüttert. Die depressiven Stimmung habe ich mich damals durch zwei Einstellungen überwunden.

Zum Einen habe ich mir gesagt, dass sich vielleicht dieses Unheilsszenarium nicht wirklich abwenden lässt, aber ich kann die Natur – so wie ich sie jetzt vorfinde und erlebe, mit großem Respekt und mit großer Dankbarkeit genießen und das Meine dazu tun, dass ich sie schütze und bewahre.
Zum Anderen habe ich dem Satz etwas abgewonnen, dass viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, das Gesicht dieser Erde verändern können.
Als Gemeindepfarrer ist mir die „Bewahrung der Schöpfung“ stets ein Anliegen geblieben, dazu bedurfte es keiner parteipolitischen Anbindung. Aber es war dann irgendwann auch konsequent, einer ökologischen Partei beizutreten, die sich wie keine andere dieses Themas annimmt.